„Ich bin sehr glücklich, diesen Traum leben zu dürfen“
Fachkräfte aus Kolumbien im Landschulheim Schloss Grunertshofen
Drei pädagogische Fachkräfte aus Kolumbien haben im Landschulheim Schloss Grunertshofen nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern Schritt für Schritt auch ein neues Zuhause gefunden.
Als Nataly Rodriguez am Flughafen in Deutschland ankam, wurde ihr plötzlich bewusst, dass ein langer Traum Wirklichkeit geworden war. „Plötzlich haben alle Menschen Deutsch gesprochen – und es war viel schneller, als ich es aus meinem Sprachkurs gewohnt war“, erinnert sie sich lachend. Für die 29-jährige Sozialarbeiterin aus Bogotá war Deutschland schon lange ein Sehnsuchtsort. Geschichte, Kultur und Lebensweise hatten sie schon in der Schule fasziniert. Heute begleitet sie Kinder und Jugendliche im Landschulheim Schloss Grunertshofen.
Mit ihr kamen im Frühjahr auch Diana Jaimes und Luisa Fernanda Blanco Clavijo aus Kolumbien nach Oberbayern. Alle drei verstärken seit April das pädagogische Team des Landschulheims – und bringen nicht nur ihre fachliche Erfahrung, sondern auch neue Perspektiven und ihre Kultur mit.
Unterschiedliche Beweggründe
Ihre Beweggründe waren dabei ganz unterschiedlich. Für Diana Jaimes war es vor allem der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung. „Ich hatte das Gefühl, dass ich diesen Schritt brauchte, um zu wachsen und neue Erfahrungen zu sammeln. Natürlich ist es eine große Herausforderung, aber genau das macht es so spannend."
Luisa Blanco hatte Deutschland bereits mehrfach besucht. Die Entscheidung, dauerhaft hierherzukommen, beschäftigte sie schon mehrere Jahre. Heute ist sie überzeugt, den richtigen Ort gefunden zu haben. „Die Arbeit, die wir hier mit den Kindern machen, ist für mich und mein Umfeld sehr wertvoll."
Ankommen zwischen Dialekt und Herzlichkeit
Dass der Start in einem fremden Land nicht immer einfach sein würde, war allen bewusst. Umso mehr hat es alle sowohl überrascht wie auch gefreut, wie herzlich sie aufgenommen wurden.
„Die Menschen sind freundlich, geduldig und hilfsbereit. Wenn ich Fragen habe oder etwas nicht verstehe, nehmen sie sich Zeit und erklären mir alles in Ruhe", erzählt Diana. Noch in Kolumbien hatte sie die Befürchtung, dass der Umgang in Deutschland deutlich distanzierter sein würde.
Die größte Herausforderung war stattdessen die Sprache. Nicht das Deutsch aus dem Lehrbuch, sondern der Alltag. „Den ganzen Tag nur Deutsch zu hören und zu sprechen, war etwas ganz anderes", sagt Diana. Besonders die unterschiedlichen Dialekte hätten ihr anfangs einiges abverlangt.
Auch Luisa erinnert sich daran, wie anspruchsvoll die ersten Wochen waren. Grammatik, lange zusammengesetzte Wörter und Gespräche im Arbeitsalltag forderten sie heraus. Gleichzeitig seien genau diese Situationen der beste Sprachkurs gewesen.
Wenn Vertrauen entsteht
Besonders schnell fühlten sich die drei Frauen jedoch bei den Kindern willkommen. Und genau dort erleben sie heute die Momente, die ihre Arbeit so besonders machen.
Für Diana ist es die Beziehung zu ihrem Bezugskind. Anfangs habe der Junge Erwachsenen kaum vertraut. Inzwischen sucht er ihre Nähe, wenn ihn etwas beschäftigt. „Dass er mich manchmal bittet, ihm vor dem Schlafengehen vorzulesen, bedeutet mir sehr viel."
Nataly erzählt von einem anderen Moment, der sie immer wieder berührt. „Wenn ich morgens komme und die Kinder sich freuen, mich zu sehen oder fragen, ob ich morgen wieder da bin – das zeigt mir, dass ich angekommen bin."
Luisa beschreibt die kleinen Gesten im Alltag als die schönsten. „Besonders berührt mich, wenn man merkt, dass die Kinder einen akzeptieren und in ihren Alltag aufnehmen."
Ein Austausch in beide Richtungen
Nicht nur die drei Kolumbianerinnen lernen Deutschland kennen. Auch im Landschulheim bringen sie ein Stück ihrer Heimat mit ein. Gemeinsam wurde bereits kolumbianisch gekocht, spanische Wörter werden ausgetauscht und manchmal wird sogar zusammen getanzt. Und genau dieser Austausch ist wichtig und stärkt für die drei Sozialarbeiterinnen die gesamte Gemeinschaft.
Auch Susanne Lüttge, Leiterin des Landschulheims, ist froh, die drei kolumbianischen Fachkräfte für das Landschulheim gewonnen zu haben. Besonders freue sie, dass die Frauen in Grunertshofen nicht nur beruflich angekommen seien, sondern sich dort auch wohlfühlten.
Und Auszubildene Anna Falkner hebt zudem die große Unterstützung im pädagogischen Alltag hervor: „Ich bin sehr dankbar für ihre Unterstützung und finde es beeindruckend, wie gut unsere Zusammenarbeit funktioniert. Die drei sind eine große Bereicherung für unser Team.“
Natürlich gibt es aber auch Tage, an denen das Heimweh größer ist. Familien, Freunde und vertrautes Essen fehlen. Ein deutsches Wort hat Diana deshalb besonders beeindruckt: Heimweh. „Ich finde es schön, dass es dafür ein eigenes Wort gibt. Es zeigt, dass Sprache auch Gefühle ausdrücken kann."
Trotzdem richtet sich der Blick längst nach vorne. Luisa möchte sich beruflich weiterentwickeln und ihr Deutsch weiter verbessern. Diana sieht ihre Zukunft in Deutschland und möchte sich hier Schritt für Schritt ein Leben aufbauen.
Und Nataly bringt ihre Gefühle schließlich in einem Satz auf den Punkt: „Deutschland war viele Jahre ein Traum von mir. Ich bin sehr glücklich, diesen Traum heute leben zu dürfen."
Für das Landschulheim Schloss Grunertshofen sind Diana Jaimes, Luisa Fernanda Blanco Clavijo und Nataly Rodriguez längst mehr als eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Sie sind Teil des Teams geworden – und für viele Kinder inzwischen vertraute Bezugspersonen.
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